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Der vielseitige Alltag der Heumilchbäuerinnen
Wer an Heuwirtschaft denkt, hat meist Kühe auf der Weide, Traktoren oder die Heuernte vor Augen. Doch der Alltag auf einem Heumilchbetrieb umfasst weit mehr als die sichtbaren Arbeiten.
Täglich gilt es, Entscheidungen zu treffen, Termine zu koordinieren, Produkte zu vermarkten und den Betrieb nach außen zu vertreten. Gerade Bäuerinnen übernehmen dabei zahlreiche Aufgaben, die oft im Hintergrund bleiben. Mit dem Internationalen Jahr der Bäuerinnen 2026 möchte die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) diese Leistungen stärker sichtbar machen.
Frauen gestalten den Hof maßgeblich mit
Die Vorstellung, Bäuerinnen würden auf dem Hof lediglich „mithelfen“, entspricht der Realität längst nicht mehr. Rund 36 Prozent der landwirtschaftlichen Betriebe in Österreich werden von Frauen geführt. Doch auch dort, wo sie nicht offiziell als Betriebsleiterinnen eingetragen sind, gestalten sie die Entwicklung ihrer Höfe aktiv mit.
Für die ehemalige Bundesbäuerin Andrea Schwarzmann beginnt moderne Landwirtschaft genau dort, wo Frauen Verantwortung übernehmen und ihre Ideen einbringen. Im Podcast „Hoftor auf“ (Folge 2) sagt sie: „Mir ging es nie darum, jemanden zu übertrumpfen oder laut zu rufen, sondern einfach mit einem Beispiel voranzugehen und Frauen Mut zu machen.“
Ebenso wichtig ist ihr das Miteinander von Partnern und Generationen auf dem Familienbetrieb. Unterschiedliche Blickwinkel ergänzen sich und schaffen die Grundlage für die Weiterentwicklung eines Hofes: „Wenn beide miteinander in eine Diskussion kommen und beide Gedankengänge einfließen können, dann entstehen meistens gute und nachhaltige Entscheidungen.“
Zwischen Stall, Familie und Öffentlichkeit
Wie vielfältig der Alltag einer Bäuerin heute ist, zeigt Magdalena Esterhammer aus dem Zillertal. Gemeinsam mit ihrem Mann bewirtschaftet sie einen Heumilchbetrieb, arbeitet zusätzlich in Teilzeit als Lebensmitteltechnologin und engagiert sich als Heumilch-Botschafterin. Neben der Versorgung der Tiere gehören deshalb auch Social Media und der Austausch mit Konsument:innen zu ihren Aufgaben.
Ihre Motivation beschreibt sie in Folge 8 von „Hoftor auf“: „Ich will den Leuten zeigen, wie vielfältig Landwirtschaft ist und dass man als Frau recht viel machen kann.“
Auf ihrem Instagram-Account @leni.vom.bichlhof gibt sie über 57.000 Follower:innen Einblicke in ihren Alltag und zeigt bewusst nicht nur die schönen Seiten des Hoflebens. „Das ist nicht alles heile Welt, aber ich finde es auch wichtig für den Konsumenten. Der soll wissen, was dahinter steckt.“ Gerade dieser ehrliche Blick hinter die Kulissen schafft Verständnis für die Arbeit auf den Höfen und dafür, wie hochwertige Lebensmittel entstehen. Viele Bäuerinnen gehen noch einen Schritt weiter. Als Seminarbäuerinnen oder im Rahmen von „Schule am Bauernhof“ öffnen sie ihre Hoftüren, beantworten Fragen und bringen Interessierten die Landwirtschaft näher.
Fachwissen als Schlüssel
Körperliche Arbeit gehört nach wie vor zum Alltag auf einem Bauernhof. Gleichzeitig verlangt Landwirtschaft weit mehr als das: Fachwissen, Organisationstalent und die Bereitschaft, sich kontinuierlich weiterzuentwickeln.
Magdalena Esterhammer verbindet ihre praktische Erfahrung am Hof mit ihrem Fachwissen als Lebensmitteltechnologin. Dass viele Tätigkeiten zunächst erlernt werden müssen, beschreibt sie offen: „Man braucht die Übung und man braucht den Mut.“
Gerade diese Offenheit, Neues zu lernen und unterschiedliche Fähigkeiten miteinander zu verbinden, zeichnet viele Heumilchbäuerinnen aus.
Mehr als Stallarbeit
Andrea Schwarzmann macht Frauen Mut, Verantwortung zu übernehmen. Magdalena Esterhammer zeigt ihren Alltag so, wie er ist – mit all seinen schönen, aber auch herausfordernden Seiten. Beide stehen stellvertretend für viele Heumilchbäuerinnen, die ihre Höfe jeden Tag weiterentwickeln und gleichzeitig den Dialog mit der Gesellschaft suchen.
So unterschiedlich ihre Aufgaben auch sind, eines verbindet sie: Die beiden Frauen möchten Landwirtschaft nicht nur leben, sondern auch verständlich vermitteln. Und genau das macht ihren Beitrag weit über den eigenen Hof hinaus so wertvoll.