Neuer Stall, neue Möglichkeiten: Wie ein Stallumbau Mensch und Tier entlastet

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Neuer Stall, neue Möglichkeiten: Wie ein Stallumbau Mensch und Tier entlastet

Ein Stallumbau verändert nicht nur ein Gebäude, sondern den gesamten Hofalltag. Für Heumilchbäuerin Katharina Lettner und ihre Familie war der Bau eines neuen Laufstalls eine der größten Entscheidungen seit der Hofübernahme. Heute zeigt sich jeden Tag, warum sich der Aufwand gelohnt hat: Die Kühe haben mehr Bewegungsfreiheit und viele Arbeitsabläufe sind deutlich einfacher geworden.

Gemeinsam mit ihrem Mann Jakob führt Katharina einen Bio-Heumilchbetrieb am Stadtrand von Salzburg. Den Hof haben die beiden 2019 von Jakobs Großvater übernommen. Damals war schnell klar, dass sie den Betrieb Schritt für Schritt weiterentwickeln möchten. Nach der Umstellung auf Bio stand schließlich auch die Frage nach einem neuen Stall im Raum.

Warum ein neuer Stall notwendig wurde
Der alte Stall hatte viele Jahre gute Dienste geleistet, brachte im Alltag aber zunehmend Herausforderungen mit sich. Vor allem die täglichen Arbeiten waren zeitaufwendig. Zweimal täglich mussten die Liegeflächen ausgemistet und neu eingestreut werden. Auch die Fütterung war mit viel Handarbeit verbunden. „Im Winter war das oft eine richtige Herausforderung. Das Heu musste vom Heuboden durch eine kleine Öffnung in den Stall gebracht und dort verteilt werden“, erinnert sich Katharina.

Mit dem neuen Laufstall sollte deshalb nicht nur die Arbeit erleichtert werden. Im Mittelpunkt stand auch das Wohl der Tiere. Die Kühe sollten mehr Platz bekommen und ihre natürlichen Verhaltensweisen besser ausleben können.

Die Kühe entscheiden selbst
Heute können sich die Tiere frei im Stall bewegen und selbst wählen, wann sie fressen, trinken oder ruhen möchten. Besonders wichtig war der Familie auch die direkte Verbindung zwischen Stall und Weide. Deshalb stehen die Stalltore während der Weidesaison offen. Die Kühe können jederzeit hinausgehen oder in den Stall zurückkehren und nutzen dies gerade an heißen Sommertagen gerne.

„Früher mussten wir entscheiden, wo die Kühe sind. Heute entscheiden sie selbst“, erzählt Katharina. Das kommt den Bedürfnissen der Tiere entgegen. Im Unterschied zu uns Menschen fühlen sich Kühe bei deutlich niedrigeren Temperaturen wohl. Wird es im Sommer zu heiß, suchen viele freiwillig den schattigen Stall auf. Dort finden sie frisches Wasser, Heu und Ruheplätze. Sobald die Temperaturen sinken, zieht es sie wieder auf die Weide.

Aber nicht alle Tiere hatten zu Beginn Freude damit. Einige Tiere, wie zum Beispiel Kathi’s Herzenskuh Madita, hatte anfangs Schwierigkeiten, sich im neuen Stall einzugewöhnen und einen neuen Lieblingsplatz zu finden.

Tierwohl bis zum Melken
Auch beim Melken wurde bewusst auf eine tierfreundliche Lösung gesetzt. Die Familie entschied sich für einen Tandemmelkstand, bei dem jede Kuh einzeln in ihre eigene Bucht tritt. „Mir wurde zwar ein Melkroboter empfohlen, aber ich wollte den direkten Kontakt zu den Tieren nicht verlieren“, sagt Katharina.

Besonders bei jungen Kühen sieht sie die Vorteile. Bereits vor dem ersten Kalben werden die Tiere an den Melkstand gewöhnt. Sie lernen die Abläufe kennen und können sich in Ruhe an die neue Situation gewöhnen. „Wenn sie dann zum ersten Mal gemolken werden, ist das viel entspannter – für die Kühe und auch für uns.“

Planung mit Blick auf Betrieb und Region
Bevor der erste Beton gegossen werden konnte, mussten zahlreiche Entscheidungen getroffen werden. Wo verlaufen die Wege der Tiere? Wo werden Wasseranschlüsse benötigt? Welche Arbeitsabläufe sollen später möglichst effizient funktionieren?

Die Planung erfolgte gemeinsam mit einer Stallbaufirma, die auch die Innenausstattung umsetzte. Dabei musste vieles individuell auf den Betrieb abgestimmt werden. Weil ihre Braunvieh-Kühe Hörner tragen, wurden etwa besonders große Kopfbereiche bei den Liegeboxen eingeplant, damit die Tiere beim Aufstehen ausreichend Platz haben. Auch die Arbeitserleichterung spielte eine wichtige Rolle. Heute kann der Heukran direkt vom Heuboden in den Stall fahren und beim Einstreuen der Liegeboxen unterstützen.

Wichtig war der Familie außerdem, möglichst regional zu bauen. Deshalb setzten sie auf viel Holz, heimische Firmen und bewusste Materialentscheidungen. Den Seminarraum im Obergeschoss, in dem Katharina Schulklassen am Bauernhof empfängt, ließen sie mit Zellulose statt mit Styropor dämmen. „Das ist teurer und aufwendiger. Aber wenn in zwei Generationen jemand umbaut, findet er keinen Blödsinn vor.“

Wenn sich die Investition auszahlt
Die Bauphase selbst war für die Familie eine intensive Zeit. Parallel zur Baustelle mussten die Kühe versorgt, die Heuernte eingebracht und der Familienalltag mit fünf Kindern organisiert werden. Rückblickend überwiegen jedoch die positiven Erfahrungen. Die Tiere haben mehr Platz, die Arbeitsabläufe funktionieren effizienter und der Stall bietet Perspektiven für die Zukunft.

Besonders gerne beobachtet Katharina ihre Herde im Alltag. Dass sich die Tiere heute sichtbar wohlfühlen, freut sie besonders. Dabei denkt sie auch an ihre Herzenskuh Madita zurück, die sich nach dem Umzug zunächst erst an die neue Umgebung gewöhnen und ihren Platz im neuen Stall finden musste. Inzwischen hat auch sie ihren Lieblingsplatz gefunden und genießt die neue Bewegungsfreiheit. „Wenn ich sehe, wie ruhig die Tiere heute im Stall liegen, dann weiß ich, dass sich die ganze Arbeit gelohnt hat.“

Der neue Laufstall ist für die Familie deshalb weit mehr als ein Bauprojekt. Er schafft bessere Bedingungen für die Kühe und erleichtert gleichzeitig die tägliche Arbeit auf dem Hof – eine Investition in die Zukunft von Mensch und Tier.

 

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