Heuernte: Wie Heumilchbauern Schnitt für Schnitt für bestes Futter sorgen

Lesezeit

ca. 3 Minuten
Wie es raschelt und knistert, und erst dieser Duft! Heu weckt oft Kindheitserinnerungen und Urlaubsgefühle, in erster Linie ist es aber die wertvolle Nahrungsgrundlage unserer Heumilchkühe. Wie aber kommt das Futter von der Wiese in den Trog und warum ist Heu nicht gleich Heu?

 

Ist der Frühling nicht mehr weit, gibt es auf den Heumilchbauernhöfen viel zu tun: Der Kreislauf der Heuernte beginnt. Mist oder Gülle der hofeigenen Tiere werden als wertvolle Dünger auf Wiesen und Weiden ausgebracht, um ein üppiges Pflanzenwachstum zu garantieren. Wenn es ein paar Wochen später zu blühen beginnt und auf den Wiesen Rotklee, Löwenzahn, Schafgarbe und Co. in bunten Farben um die Wette leuchten, bricht für unsere Heumilchbäuerinnen und Bauern die spannendste Zeit des Jahres an.

Heu-Mahd: Wissen, Zeit und gutes Wetter

Um den perfekten Zeitpunkt für die erste Mahd zu wählen, braucht es viel Erfahrung, Fachwissen und ein bisschen Glück. Denn nur bei guten Witterungsbedingungen können die Gräser und Kräuter geschnitten, vorgetrocknet, mehrmals gewendet und eingebracht werden. Dieser Prozess dauert mehrere Tage, an denen es nicht regnen darf. Oft ist die ganze Familie in dieser Zeit auf den Beinen, um ein optimales Ergebnis zu erzielen. In vielen Berggebieten ist es aufgrund der steilen Hänge nicht möglich, mit Maschinen zu mähen. Dann müssen die Gräser und Kräuter per Hand geschnitten werden. Erst wenn das wertvolle Gut sicher am Heuboden lagert und trocknen kann, gönnen sich die Heumilchbäuerinnen und Bauern eine wohlverdiente Verschnaufspause. Denn nur ein paar Wochen später folgt die nächste Mahd.

Wusstest du, dass…

… jeder Heuschnitt eine andere Qualität hat? Er unterscheidet sich in Struktur, Eiweiß- und Energiegehalt. Aus diesem Grund wird das Heu für die Tiere gemischt, je nachdem, welche Inhaltsstoffe sie benötigen. Eine Heumilchkuh erhält also einen anderen „Mix“ als trächtige Kühe oder Jungvieh.

Heu-Qualitäten im Überblick

Bis zu vier Schnitte sind in einem Sommer je nach Witterung und Höhenlage der Wiesen und Weiden möglich. Dabei ist jede Ernte unterschiedlich, denn die Gräser und Kräuter verändern sich im Lauf der Jahreszeiten:

Erster Schnitt (Frühling)

Im Idealfall macht der erste Schnitt im Frühling 30 bis 40 Prozent der Jahresfuttermenge aus, also dem Umfang an Heu, den die Tiere eines Heumilchbauernhofes über den gesamten Winter benötigen. Die Gräser sind zu diesem Zeitpunkt wesentlich strukturreicher als die Folgeschnitte. Um sicherzustellen, dass alle Stallbewohner das beste Futter erhalten und die Artenvielfalt auf den Wiesen gefördert wird, bewirtschaften Heumilchbauern ihre Felder mosaikartig – sie mähen nicht alle Felder auf einmal. Mehr zu dieser traditionellen Wirtschaftsweise erfährst du hier: Mosaikartige Bewirtschaftung. Die Mahd zieht sich deshalb über mehrere Wochen, in denen zuerst besonders eiweiß- und energiereiches Qualitätsheu für die Milchkühe geerntet wird. Ein bis drei Wochen später geht es erneut auf die Weiden, und wenn das Heu in voller Blüte steht, wird das Futter für trächtige Kühe und größeres Jungvieh eingebracht.

Zweiter Schnitt (Frühling/Frühsommer)
Ab dem zweiten Schnitt nimmt die Struktur des Futters ab, dafür steigt der Anteil unterschiedlichster Kräuter. Dieses Heu ist feiner, aber eiweißreich und aromatisch.

Dritter Schnitt (Sommer/Spätsommer)

In vielen Gebieten fällt der dritte Schnitt, abhängig von der Regenmenge und den Sonnenstunden der Sommermonate, schon etwas geringer aus. Zu dieser Zeit bieten die Dauergrünland-Wiesen dafür besonders proteinreiche Gräser. Ein hoher Eiweißgehalt im Heu ist für die Fütterung der Heumilchkühe besonders wichtig: Durch ihn können Eiweiß-Futtermittel wie zugekauftes Getreide großteils ersetzt werden. Mehr zum Thema Getreideanteil im Futter liest du hier: Mein Essen = dein Futter?

Vierter Schnitt (Herbst)

Da sich 88 Prozent der Heumilchbetriebe im Berggebiet befinden, ist ein vierter Schnitt für die meisten Bäuerinnen und Bauern nicht möglich. Dafür genießen viele Herden den goldenen Herbst auf Wiesen und Weiden in tieferen Lagen und fressen hier das frische Gras.

Im Winter, wenn das Gründland unter einer Schicht aus Schnee und Eis schlummert und die Heumilchkühe gerne viel Zeit im gemütlichen Stall verbringen, genießen sie das schmackhafte Ergebnis eines arbeitsreichen Sommers: Herrlich duftendes, nahrhaftes und ressourcenschonendes Heu! Der traditionelle Kreislauf der Heuwirtschaft schließt sich – bis er im Frühjahr von neuem beginnt.

Ähnliche Beiträge

Kulturprogramm für Heumilch-Käse – Funktionen und Aufgaben von Käsereikulturen und Lab
27.6.2022 Genussvoll leben

Kulturprogramm für Heumilch-Käse – Funktionen und Aufgaben von Käsereikulturen und Lab

Jeder Heumilch-Käse braucht Kulturen. Sie bringen – meist gemeinsam mit Lab – den Dicklegungsprozess in…
Regionale Heumilch-Produkte: „Weniger vom Guten ist oft mehr!“
23.6.2022 Am Heumilchbauernhof

Regionale Heumilch-Produkte: „Weniger vom Guten ist oft mehr!“

Alpdrang, das ist die Sehnsucht, die Kathi und ihre Kinder schon spüren, wenn der Schnee…
Ein urgutes Naturerlebnis: Wie die Heuwirtschaft zum nachhaltigen Tourismus beiträgt
3.6.2022 Nachhaltig leben, Am Heumilchbauernhof

Ein urgutes Naturerlebnis: Wie die Heuwirtschaft zum nachhaltigen Tourismus beiträgt

Wer die Koffer packt und mit Bahn oder Bus in eine der Heumilchregionen entlang des…
Schule am Heumilch-Bauernhof: Wissen vermitteln mit allen Sinnen
13.5.2022 Am Heumilchbauernhof

Schule am Heumilch-Bauernhof: Wissen vermitteln mit allen Sinnen

Wenn Kühe im Sommer frische Gräser und Kräuter und im Winter Heu fressen, warum ist…
Die Entwicklung des guten Geschmacks: So entstehen Aromen im Heumilch-Käse
22.4.2022 Genussvoll leben

Die Entwicklung des guten Geschmacks: So entstehen Aromen im Heumilch-Käse

Geschmäcker sind so vielfältig wie wir Menschen. Wovon sich der eine abwendet, bedeutet für den…
Wo kein Weg gerade ist: Heumilchbäuerin Magdalena pflegt die Artenvielfalt in steilster Lage
14.4.2022 Am Heumilchbauernhof

Wo kein Weg gerade ist: Heumilchbäuerin Magdalena pflegt die Artenvielfalt in steilster Lage

Lebensmitteltechnologin, Qualitätsmanagerin, Mama, Ehefrau und begeisterte Heumilchbäuerin – das alles und mehr ist Magdalena aus…
Nachhaltigkeit hat immer Saison: Die Heumilch-Küche fürs Klima
10.3.2022 Genussvoll leben

Nachhaltigkeit hat immer Saison: Die Heumilch-Küche fürs Klima

Den Rhythmus der Natur (wieder) verstehen lernen und im Einklang mit den Jahreszeiten leben: Was…
Das Heumilch-Logo: Grünes Licht für Umweltschutz und Tierwohl
4.3.2022 Nachhaltig leben

Das Heumilch-Logo: Grünes Licht für Umweltschutz und Tierwohl

Du hast es sicher schon auf vielen Milchprodukten im Supermarkt entdeckt: Unser grünes Heumilch-Logo garantiert…
Familiensache Heumilchbauernhof: „Bei uns helfen vier Generationen zusammen!“
11.2.2022 Am Heumilchbauernhof

Familiensache Heumilchbauernhof: „Bei uns helfen vier Generationen zusammen!“

Die lokalen Ressourcen nutzen und mit viel Leidenschaft gemeinsam das Beste schaffen: So leben und…
Richtiger Käsegenuss: Eine kleine Einführung in die Käsesprache und -verkostung
4.2.2022 Genussvoll leben

Richtiger Käsegenuss: Eine kleine Einführung in die Käsesprache und -verkostung

Heumilch-Käse: So vielfältig und raffiniert die Heumilch-Käse-Spezialitäten, so anspruchsvoll kann es sein, sie richtig zu…
Aus dem Heumilch-Gewinnspiel: Nachhaltige Ideen rund ums Thema Raclette
27.1.2022 Nachhaltig leben

Aus dem Heumilch-Gewinnspiel: Nachhaltige Ideen rund ums Thema Raclette

Die Heuwirtschaft ist seit jeher geprägt durch nachhaltiges, auf Generationen aufgebautes Denken und Handeln. Nun…
Wie die Heumilchwirtschaft kleinbäuerliche Strukturen stärkt
18.1.2022 Am Heumilchbauernhof

Wie die Heumilchwirtschaft kleinbäuerliche Strukturen stärkt

Zusammen und mit viel Leidenschaft – so bewirtschaften die meisten Heumilchbäuerinnen und Bauern ihre Höfe.…