Mystische Raunächte: Traditionelle Räucherrituale am Heumilchbauernhof

Lesezeit

ca. 3 Minuten
Es ist die Zeit, innezuhalten, aus dem Alltag herauszutreten und sowohl zurück als auch in die Zukunft zu blicken: Die traditionellen Raunächte zwischen 21. Dezember und 6. Jänner haben in vielen Familien nach wie vor eine ganz besondere Bedeutung. So auch bei Heumilchbäuerin Katharina und ihrer Familie.

„Als kleines Mädchen habe ich mich schon ein bisschen gefürchtet“, erinnert sich Katharina, wenn sie an die Raunächte ihrer Kindheit in Vorarlberg zurückdenkt. Besonders mit der Oma wurde zwischen Weihnachten und Neujahr viel gebetet und geräuchert, und manche Regeln waren unumstößlich: „Es war ihr sehr wichtig, dass in dieser Zeit keine Wäsche gewaschen und aufgehängt wird, weil sich sonst ‚Die Wilde Jagd‘ darin verfangen könnte. Das bringt Unglück für das nächste Jahr.“ An diese Tradition hält sich die Heumilchbäuerin heute nicht mehr so strikt: „An Heiligabend, dem ersten Weihnachtstag und am 5. Jänner steht bei uns die Waschmaschine still. Aber dazwischen wasche ich schon, das geht sich mit vier Kindern nicht anders aus!“ lacht die stolze Mama von vier Mädchen, die mit ihrem Mann das Geisbichlgut in Salzburg bewirtschaftet, auf dem 18 Heumilchkühe mit eigener Nachzucht, 200 Hennen, Wachteln und ein Hofkater leben.

Heumilchbotschafterin_Kathi

Ursprung und Legenden

Auch wenn die Bräuche an das moderne Leben angepasst werden: Die Raunächte sind für Katharina eine wichtige Zeit, in der sie die uralten Traditionen pflegt. Die „Tage zwischen den Jahren“ haben ihren Ursprung im germanischen Mondkalender und sind bis auf die Kelten zurückzuführen. In dieser Zeit, so heißt es, ist das Band zwischen dem Diesseits und dem Jenseits stärker als gewöhnlich, dunkle Kräfte haben ein leichteres Spiel. Etwa die furchteinflößende „Wilde Jagd“, Gott Odins Totenheer. Ein alter Aberglaube besagt, dass die nächtlichen Reiter weiße Wäsche von der Wäscheleine schnappen und diese dem Besitzer im Laufe des folgenden Jahres als Leichentuch zurückgeben. Daher war es verpönt, in dieser Zeit Wäsche auf der Leine aufzuhängen. Auch aus Furcht, die „Jagd“ könnten sich in der Leine verheddern und im Haus bleiben.

Raunächte_Weihnachten

Räuchern und Reinigen

Was im ersten Moment vielleicht merkwürdig klingt, hatte gerade in früheren Zeiten einen tieferen Sinn: Durch das „Verbot“ der mühsamen und langwierigen Hausarbeit während der Feiertage hatten die Menschen mehr Zeit, um sich zu besinnen, das vergangene Jahr abzuschließen und das neue zu begrüßen. Dabei spielte das Räuchern eine große Rolle. Um Haus und Ställe von schlechter Energie zu reinigen und Mensch und Tier vor Unheil zu schützen, werden in den Raunächten noch heute Heilpflanzen und Harze in allen Räumen verräuchert. Auch diesem Brauch liegen weniger mystische, sondern eher praktische Überlegungen zugrunde: Viele Kräuter und Pflanzen haben eine desinfizierende Wirkung, und so trug das Räucher-Ritual vor allem in früherer Zeit zur Gesundheit der Menschen und dem Wohl der Tiere bei. Spezielle Gebete sollten die Schutzwirkung des reinigenden Rauches noch verstärken.

Jedem dieser besonderen Tage kommt dabei eine spezielle Bedeutung zu. Hier die drei Wichtigsten:

24. Dezember – Weihnachten und Abschied vom alten Jahr

Traditionell wird mit Beifuß, Holunder, Lavendel oder reinigenden Räuchermischungen das alte Jahr verabschiedet.

31. Dezember – Jahreswechsel in Harmonie

Klassisch räuchert man am letzten Tag des Jahres mit einer Mischung aus Weihrauch, Myrrhe und Dammar oder harmonisierenden Mischungen.

5. Jänner – Energievoller Start ins Neue Jahr

An diesem Tag kann man mit energetisierendem Räucherwerk wie Tannenharz, Wacholder oder Salbei räuchern.

 

Räucherpfännchen

„Unsere Vorfahren wussten, dass das Verräuchern bestimmter Kräuter die Luft reinigen und vor Krankheiten schützen kann. Jeder, der das heute probiert, wird bestätigen, dass es, ähnlich wie Aromatherapie, einfach gut tut!“ ist sich Katharina sicher. Auch ihre Mädchen wissen bereits um die positive Kraft des Räucherns: „Wenn die Kinder das Gefühl haben, dass schlechte Stimmung im Haus ist, gehen sie mit weißem Salbei durch jeden Raum und verteilen den Rauch mithilfe von Hühnerfedern,“ erzählt Katharina. Auch die Heumilchkühe im Stall werden dabei nicht vergessen. Eine schöne Tradition, die nicht nur an den Weihnachtsfeiertagen für eine harmonische Atmosphäre sorgt, in der sich Mensch und Tier rundum wohl fühlen.

Ähnliche Beiträge

Heumilch und Käse: Lebensmittel mit wertvollen Inhaltsstoffen
24.8.2022 Genussvoll leben

Heumilch und Käse: Lebensmittel mit wertvollen Inhaltsstoffen

Neben dem Aspekt "Genuss" haben Nahrungsmittel noch eine weitere, sehr wichtige Aufgabe: Sie versorgen unseren…
Mit dem KlimaTicket unterwegs in Vorarlberg: Von Schoppernau zur Alpe Neuhornbach
24.8.2022 Nachhaltig leben

Mit dem KlimaTicket unterwegs in Vorarlberg: Von Schoppernau zur Alpe Neuhornbach

Die traditionelle Heuwirtschaft ist von Natur aus nachhaltig, schont wertvolle Ressourcen und erhält vielfältige Lebensräume…
Urgute Planung: So geht Urlaub als Heumilchbäuerin
20.7.2022 Am Heumilchbauernhof

Urgute Planung: So geht Urlaub als Heumilchbäuerin

Sandburg statt Heu heißt es für Heumilchbäuerin Sabine und ihre Familie diesen Sommer – und…
Kulturprogramm für Heumilch-Käse – Funktionen und Aufgaben von Käsereikulturen und Lab
27.6.2022 Genussvoll leben

Kulturprogramm für Heumilch-Käse – Funktionen und Aufgaben von Käsereikulturen und Lab

Jeder Heumilch-Käse braucht Kulturen. Sie bringen – meist gemeinsam mit Lab – den Dicklegungsprozess in…
Regionale Heumilch-Produkte: „Weniger vom Guten ist oft mehr!“
23.6.2022 Am Heumilchbauernhof

Regionale Heumilch-Produkte: „Weniger vom Guten ist oft mehr!“

Alpdrang, das ist die Sehnsucht, die Kathi und ihre Kinder schon spüren, wenn der Schnee…
Ein urgutes Naturerlebnis: Wie die Heuwirtschaft zum nachhaltigen Tourismus beiträgt
3.6.2022 Nachhaltig leben, Am Heumilchbauernhof

Ein urgutes Naturerlebnis: Wie die Heuwirtschaft zum nachhaltigen Tourismus beiträgt

Wer die Koffer packt und mit Bahn oder Bus in eine der Heumilchregionen entlang des…
Von alten Haudegen und jungen Hupfern: Heumilch-Käsereifung
24.5.2022 Genussvoll leben

Von alten Haudegen und jungen Hupfern: Heumilch-Käsereifung

Während der Reifezeit entfalten Heumilch-Käse ihr artentypisches Aroma. Auswirkungen auf die sortentypischen Geruchs- und Geschmacksstoffe,…
Schule am Heumilch-Bauernhof: Wissen vermitteln mit allen Sinnen
13.5.2022 Am Heumilchbauernhof

Schule am Heumilch-Bauernhof: Wissen vermitteln mit allen Sinnen

Wenn Kühe im Sommer frische Gräser und Kräuter und im Winter Heu fressen, warum ist…
Die Entwicklung des guten Geschmacks: So entstehen Aromen im Heumilch-Käse
22.4.2022 Genussvoll leben

Die Entwicklung des guten Geschmacks: So entstehen Aromen im Heumilch-Käse

Geschmäcker sind so vielfältig wie wir Menschen. Wovon sich der eine abwendet, bedeutet für den…
Wo kein Weg gerade ist: Heumilchbäuerin Magdalena pflegt die Artenvielfalt in steilster Lage
14.4.2022 Am Heumilchbauernhof

Wo kein Weg gerade ist: Heumilchbäuerin Magdalena pflegt die Artenvielfalt in steilster Lage

Lebensmitteltechnologin, Qualitätsmanagerin, Mama, Ehefrau und begeisterte Heumilchbäuerin – das alles und mehr ist Magdalena aus…
Nachhaltigkeit hat immer Saison: Die Heumilch-Küche fürs Klima
10.3.2022 Genussvoll leben

Nachhaltigkeit hat immer Saison: Die Heumilch-Küche fürs Klima

Den Rhythmus der Natur (wieder) verstehen lernen und im Einklang mit den Jahreszeiten leben: Was…
Das Heumilch-Logo: Grünes Licht für Umweltschutz und Tierwohl
4.3.2022 Nachhaltig leben

Das Heumilch-Logo: Grünes Licht für Umweltschutz und Tierwohl

Du hast es sicher schon auf vielen Milchprodukten im Supermarkt entdeckt: Unser grünes Heumilch-Logo garantiert…