Kuhwohl im Bregenzerwald: „Man braucht mehr Geduld, aber es zahlt sich aus“

Erika Beer ist Heumilchbäuerin mit Leib und Seele. Als Gebietsbäuerin des mittleren und hinteren Bregenzerwaldes und Ortsbäuerin von Schnepfau nimmt sie neben der Arbeit im Familienbetrieb viele weitere Verpflichtungen wahr. Die Tiere stehen aber zu jeder Zeit an erster Stelle. Seit mittlerweile 10 Jahren setzt sie bei der Behandlung von Krankheiten auch auf pflanzliche Arzneimittel.

Es ist tierisch was los bei Familie Beer: Neben 30 Heumilchkühen leben 30 Stück Jungvieh und Kälber, 2 Ziegen, 25 Hühner, ein Hund und drei Katzen (Kätzchen Mia kennen treue Heumilch-Fans schon von unseren Facebook- und Instagram-Kanälen) auf dem Hof in Schnepfau. Die Heumilchkühe sind dank Offenlaufstall auch in der kalten Jahreszeit viel an der frischen Luft. Das hält sie fit und vital. „So wie wir Menschen können aber auch Heumilchkühe einmal krank werden,“ meint Erika. Neben Verdauungsproblemen und Blähungen oder Husten bekommen die Tiere manchmal Fieber. „Vor allem Kälber müssen umsorgt werden und brauchen eine besondere Pflege“, weiß Erika Beer aus Erfahrung.

Genaue Dosierung

Wenn sie bemerkt, dass ein Kälbchen nicht richtig trinkt, greift die erfahrene Bäuerin zuerst zu homöopathischen Globuli. „Das sind die gleichen Globuli, die wir Menschen nehmen, nur in etwas höherer Potenz. Ich verabreiche den Tieren 5 Stück pro Dosis. Das hilft meist, wenn man bei den ersten Anzeichen beginnt“, erklärt Erika. Bei Kälbchen sei die Verabreichung besonders einfach, da sie gerne die Hand abschlecken. Man könne die Kügelchen aber auch in Wasser auflösen und dann auf die Nase sprühen, um den Wirkstoff auf die Schleimhäute zu bringen. „Wichtig ist, dass man den ‚Patienten‘ über einen längeren Zeitraum sehr genau beobachtet und die homöopathischen Arzneimittel ganz regelmäßig verabreicht. Wenn sich der Zustand verschlechtert, rufe ich natürlich den Tierarzt,“ betont Erika. Das sei aber selten der Fall.

Geduld zahlt sich aus

Die Tierarztkosten seien über die Jahre massiv gesunken, berichtet die Heumilchbäuerin. Als sie begann, sich mit natürlichen Heilmitteln zu beschäftigen und dazu auch Seminare besuchte, stieß das nicht überall auf Verständnis. Sprüche wie „Was sollen denn die kleinen Kügelchen nützen?“ habe sie schon öfter zu hören bekommen, schmunzelt Erika. Tatsächlich wirke diese Art der Behandlung nur, wenn die Bäuerin oder der Bauer genügend Zeit und Geduld hat. „Man muss sich manchmal auch über mehrere Wochen stark um ein Tier kümmern. Im Sommer, wenn wir auf der Alpe und die Heumilchkühe den ganzen Tag unterwegs sind, um die besten Gräser und Kräuter zu finden, ist es noch etwas schwieriger.“ Jedoch seien auch Kühe eher im Winter anfällig für Krankheiten. „Nasskaltes Wetter mögen sie gar nicht“, sagt Erika.

Regelmäßige Kontrolle

Und so behandelt die Heumilchbäuerin ihre Tiere bei allen Wehwehchen. Bei entzündeten Eutern schaffen Topfen-„Packungen“ Linderung, und wenn einmal nichts mehr hilft, ist der Tierarzt zur Stelle. So wie alle Heumilchbauern ist auch Erikas Betrieb Mitglied beim Tiergesundheitsdienst, der bei regelmäßigen Kontrollen vorbeugend das Wohlergehen der Heumilchkühe überprüft. „Die letzte Euter-Spritze haben wir vor mittlerweile drei Jahren gebraucht. Ich hoffe, dass das noch lange so bleibt,“ ist Erika Beer stolz auf die Erfolge ihrer persönlichen Kuhwohl-Initiative.

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