Abgestufter Wiesenbau

 
Klimatische Herausforderungen und häufige Schnitte – unser Grünland ist zunehmend mehreren Stressfaktoren ausgesetzt. Abgestufter Wiesenbau ist ein Ansatz, die Wirtschaftlichkeit und die Biodiversität gleichzeitig zu erhalten.

Die Biodiversität von Wiesen und Weiden ist nicht nur für die Qualität des Grundfutters entscheidend, sondern langfristig auch für den Ertrag eines Betriebs. Eine artenreiche Wiese erbringt verschiedene Ökosystemleistungen. Darunter fallen etwa der Erhalt der Bestäuber und der Bodenfruchtbarkeit – zwei Faktoren, die für die Fortpflanzung wichtig sind. Die Stärkung natürlicher Gegenspieler von Schädlingen und ein geringeres Erosionsrisiko sind weitere Leistungen, die durch eine hohe Biodiversität erfüllt werden.

Wie wichtig der Erhalt der Artenvielfalt ist, haben wir bereits im URGUT LEBEN Journal Nr. 2 in den Artikeln zur schonenden Mahd sowie den Blühflächen erklärt. Ein ganzbetrieblicher und langfristiger Ansatz, um zwischen dem Erhalt der Artenvielfalt und der Ertragskraft der Wiesen und Weiden einen Ausgleich zu schaffen, ist der abgestufte Wiesenbau bzw. die abgestufte Grünlandnutzung.

Das Konzept beruht auf einer unterschiedlich intensiven, standortangepassten Bewirtschaftung der zur Verfügung stehenden Grünlandflächen. Es wird dabei auf die unterschiedlichen Bedingungen an verschiedenen Standorten eingegangen. Denn die wenigsten Betriebe verfügen ausschließlich über Flächen mit höchster Bonität. Im Normalfall gibt es auch Flächen, die natürlichen Nutzungsgrenzen unterliegen, wie z.B. staunasse, seichtgründige, besonders steile, spitzwinkelige oder sonst benachteiligte Flächen.

Bei richtiger Umsetzung bringt die abgestufte Nutzung dem Betrieb nicht nur einen langfristigen Erhalt der Biodiversität, sondern auch verschiedene Futterqualitäten. Neben Leistungsfutter mit hohen Energie- und Proteingehalten wird so auch reifes, rohfaserreiches Heu für Jung- und Galtvieh und trockenstehende Kühe produziert.

Unerlässlich für die Einteilung der Flächen in unterschiedliche Intensitäten ist eine gründliche Planung, wobei in der abgestuften Grünlandnutzung die Standortbedingungen die Nutzung vorgeben. Dazu zählen etwa Wasserhaushalt, Wärme- und Nährstoffhaushalt, aber auch Bodenart, Exposition und Lage zum Hof. Neben dem Boden ist auch die zur Verfügung stehende Menge an Dünger relevant. Denn die auf den nutzungsreduzierten Flächen freiwerdenden Düngermengen können für die Intensivierung anderer Flächen eingesetzt werden.

Die Planung und Umsetzung erfolgt in mehreren Schritten:

  1. Erfassung der Bodendaten für die einzelnen Flächen
  2. Einteilung der geeigneten Nutzungsintensität nach Bodengüte und betrieblichen Gegebenheiten
  3. Abgleich mit der aktuellen Bewirtschaftung – wo wird zu intensiv, wo vielleicht zu extensiv bewirtschaftet?
  4. Neueinteilung der Nutzungsintensitäten unter Berücksichtigung von Biodiversitätsflächen
  5. Erfassung der zur Verfügung stehenden Jahresdüngermengen
  6. Neuzuteilung der Düngermengen beginnend bei den intensiv genutzten Flächen

Nun kann mit dem Intensivieren bzw. Extensivieren der Teilflächen begonnen werden, wobei sich in der Praxis letzteres meist als die größere Herausforderung herausstellt.

Bei der Intensivierung ist durch die Erhöhung der Nutzungshäufigkeit zwingend die Einsaat passender Gräser erforderlich. Denn je höher die Nutzungsfrequenz, desto mehr Untergräser braucht der Bestand, um eine stabile Grasnabe bilden zu können.

Bei der Extensivierung ist vor allem Geduld nötig. Denn während der Ablöse der vorhandenen Arten durch standort- und nutzungsangepasste Arten ist der Pflanzenbestand labil und anfällig für Verunkrautung. Die Konkurrenzkraft der “Intensivgräser” sollte daher im ersten Jahr durch eine drastische Verringerung der Düngung, aber nicht der Nutzung minimiert werden. In der Folge kann mit den entsprechenden Arten nachgesät werden.

Grenzen sind dem abgestuften Wiesenbau vor allem dort gesetzt, wo der Viehbesatz besonders gering ist. Hier lohnt sich eine weitere Differenzierung der Flächen meist nicht mehr.

 

Überblick Intensitätsstufen und Leitgräser bei Wiesen- und Weidenutzung, sowie verfügbare Saatgutmischungen (M) nach österreichischem Mischungsrahmen
Nutzungshäufigkeit Leitgräser Wiese M Leitgräser Weide M
Intensiv: 4-5 x Mahd Kurzrasenweide, Koppel Englisch Raygras, Wiesenrispe, Weißklee NIK, NI, VS (KWEI) Englisch Raygras, Wiesenrispe, Weißklee KWEI
Mittel-intensiv: (2) 3-4 x Mahd Koppel- Umtriebsweide (Englisch Raygras), Timothe, Knaulgras, Wiesenschwingel, Fuchsschwanz G, H, NA, NATRO Engl. Raygras, Wiesenrispe, Wiesenschwingel, Weißklee, (Timothe) KWEI, G, H, NAWEI
Wenig intensiv:

1-2 (3) x Mahd, Mähweide, Extensive Koppel

Glatthafer, Goldhafer, Timothe, Wiesen- und Rotschwingel Heublumen, A, B, C, D, OG Wiesenschwingel, Timothe, Rotschwingel, Kammgras, Fioringras NAWEI, (H)

 

Ausführliche aktuelle Informationen zum Thema stehen für ÖAG-Mitglieder unter www.gruenland-viehwirtschaft.at zur Verfügung. Der Mitgliedsbeitrag für ein Jahr beträgt € 20,- und lohnt sich für alle, die sich für das Thema erfolgreiche Grünlandwirtschaft interessieren.